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Quelle:
Tagesanzeiger
Die junge ist die kompromisslosere SVP: Sie kämpft mit
dem Referendum gegen die Personenfreizügigkeit. An der Spitze der Jungen SVP
steht der Lastwagenfahrer Erich Hess.
Die Alkis auf der kleinen Schanze in Bern haben keine Freude
an Erich Hess: Während die Fotografin Bilder macht, werfen sie unablässig eine
mit Steinen gefüllte PET-Flasche in seine Richtung – und zwei Hunde rennen
hinterher. «Die kennen mich, weil sie in der Reitschule verkehren», meint Hess
trocken. Das Publikum der Berner Reitschule ist nicht gut zu sprechen auf
den 27-jährigen Präsidenten der Jungen SVP. Denn Hess will mit einer Initiative
verlangen, dass das alternative Kulturzentrum verkauft wird. Die Folge: «Wenn
ich abends allein durch die Stadt gehe, werde ich regelmässig angerempelt», sagt
Hess. Die Reitschule ist nicht das einzige, was Hess im Visier hat: Seine
Voten im Berner Stadtparlament richten sich gegen Asylbewerber,
Sozialhilfebezüger und Minarettbauer. Und seit kurzem engagiert er sich an
vorderster Front gegen die Ausdehnung der Personenfreizügigkeit auf Rumänien und
Bulgarien – obwohl diese gemeinsam mit der Weiterführung zur Abstimmung kommt.
«Wenn man mit einem Paket nicht einverstanden ist, muss man es eben ablehnen.»
Damit stellt sich die Junge SVP gegen die Mutterpartei – und vor allem gegen
Christoph Blocher, der nach seiner Kehrtwende durchgesetzt hat, dass die SVP
Schweiz auf ein Referendum verzichtet. Das ist umso bemerkenswerter, als die
Junge SVP sonst treu auf Blochers Kurs politisiert – und umgekehrt Blocher sehr
viele Sympathien für die Jungen zeigt. Auch jetzt will Hess nicht zulassen,
dass jemand einen Keil zwischen das alte Vorbild und die Junge SVP treibt.
«Christoph Blocher hat sehr viel Erfahrung. Es ist gut, wenn er sich in der
Partei einbringt.» Hess spielt den Konflikt deshalb herunter: «Inhaltlich sind
wir gleicher Meinung, nur bei der Strategie gibt es Unterschiede.»
Toni
Brunner rief Hess vergeblich an Allerdings sei man bei der Mutterpartei
nicht sehr glücklich über die abweichende Haltung der Jungen, meint Hess:
«Parteipräsident Toni Brunner hat mich angerufen und gesagt, ein Verzicht auf
das Referendum wäre besser.» Andererseits räumt Hess ein, die jetzige Situation
könne der SVP auch Vorteile bringen: «Es gibt viele Leute in der SVP, die den
Verzicht aufs Referendum nicht verstehen. Für sie kann die Junge SVP ein
Auffangnetz bieten.» Von einer Verärgerung der Jungen über Blochers
Kehrtwende will Hess nichts wissen: «Es war ein demokratischer Entscheid, aufs
Referendum zu verzichten.» Ein anderes Mitglied der Jungen SVP sieht dies anders
– zumindest wenn man ihn nicht namentlich zitiert: «Nach aussen geben wir den
Anschein der Harmonie. Intern hat es aber viele, die über den Verzicht auf das
Referendum frustriert sind.»
Die Mutter bügelt die Hemden Auch Hess scheint
verschiedene Seiten zu haben: Im Gespräch wirkt er gewinnend. Das von der Mutter
gebügelte Hemd und die peinlich genau fixierten Haare lassen ihn als idealen
Schwiegersohn erscheinen. Und Hess spielt damit, dass er als gelernter
Lastwagenführer keinen Universitätsabschluss hat: «Die SVP ist eben eine
Volkspartei, in der auch einer wie ich Präsident werden kann.» Andererseits
pflegt Hess beim Ausländerthema eine harte Rhetorik: Als es im Stadtparlament um
Nothilfe für Asylbewerber ging, erzählte er von Ameisen in seiner Wohnung, die
sich an einer Getränkeflasche labten. Nachdem er die Flasche entsorgt habe,
seien auch die Ameisen verschwunden. «Das würde ich heute eher nicht mehr
sagen», meint Hess. Stattdessen spricht er nun von Kühen, die sich das saftigste
Gras zum Fressen suchen. Als fremdenfeindlich stuft sich Hess deswegen nicht
ein. Und dass in seinem Internet-Gästebuch einer einen reichlich wirren, aber
klar antisemitischen Eintrag gemacht hat, will er nicht gesehen haben. Giovanna
Battagliero, Fraktionschefin der SP im Stadtparlament, meint hingegen: «Seine
Äusserungen kann man als ausländerfeindlich auffassen.» Zumindest wenn es um
weibliche Ausländer geht, scheint Hess aber nicht gänzlich verschlossen zu sein:
Er habe eine Zeit lang eine ukrainische Freundin gehabt, meint er. Mit der
Personenfreizügigkeit habe dies aber nichts zu tun.
Philipp Mäder
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